Untertitel: Ein Buchkirchner züchtet und vermarktet süße Früchtchen
Text: In das gängige Schema des fleißigen, traditionsbewußten, aber wenig flexiblen Landwirts
paßt der Buchkirchner Maximilian Schosser ganz und gar nicht. Der Agraringenieur ist mehr
Unternehmer als Bauer. Und als solcher geht er auch Risiken ein, die ein durchschnittlicher
Landwirt nie zu wagen bereit wäre. Was Schosser angreift, ist unkonventionell. Als Absolvent
der Bundesanstalt Wieselburg kam er schnell zur Erkenntnis, daß die Grenzen der Landwirtschaft
nicht bei der Schweinemast und dem Getreideanbau enden.
Heute verdient sich der Buchkirchner sein Geld als Heidelbeerbauer. In Österreich ist Schosser
der unumstrittene Marktleader, was auch heißt, daß er den Preis diktieren kann. Für die
amerikanische Heidelbeere, eine wesentlich größere Verwandte der heimischen Waldheidelbeere,
ist der Konsument inzwischen bereit, eine schöne Stange Geld zu bezahlen. Das Kilo Heidelbeeren
kostet bei Schosser im Durchschnitt 75 Schilling. Das ist keine Bagatelle, und doch könnte der
Landwirt jährlich bis zu 20 Tonnen mehr absetzen, als er produziert.
Um Erfolg zu haben, mußte der mit einer Lehrerin verheiratete Vater dreier Kinder eine lange
Durststrecke durchmachen und viel Lehrgeld zahlen. Eine Stiermast mit 300 Stück Vieh brachte
nicht den gewünschten Erfolg. Seine Princess-Bohnen wuchsen ebensowenig in den Himmel. Mit
einigen Beerensorten war kein Geschäft zu machen. Anfang der achtziger Jahre kam dann der Tiefpunkt.
Schosser wurde schwerkrank. Seine Nieren versagten. Eine überaus komplizierte Operation rettete
ihm schließlich das Leben. "Ich war jahrelang außer Gefecht, konnte aber in dieser Zeit viel über
die Zukunft nachdenken." Ein früherer Hofpraktikant brachte ihn auf die Idee, es mit amerikanischen
Heidelbeeren zu versuchen. Am Inlandsmarkt lag damals das Image dieser Frucht genauso im Keller
wie der erzielte Erlös. Die ersten Versuche enttäuschten. Importpflanzen aus Holland und der BRD
waren nicht viel wert. Um Spezialmaschinen aufzutreiben und den Boden mit Torf und Sägespänen
anzureichern, stürzte sich Schosser erneut in Schulden. Nichtsdestotrotz stellte der Landwirt
auch seinen zweiten Betrieb in der Obersteiermark um. Die Landwirtschaftskammer zeigte für ein
solches Treiben wenig Verständnis. Günstige Investitionskredite, wie sie jeder Landwirt sogar
für einen Mähdrescher bekommt, blieben Schosser verwehrt. Und dennoch gelang ihm nach Jahren der
Rückschläge und Entbehrungen, was kaum jemand für möglich gehalten hätte: Die Heidelbeere brachte Ertrag.
Verständlich, daß jetzt Schosser sein süßes "Früchtchen" in den höchsten Tönen preist: Die wochenlange
Haltbarkeit, der Verzicht auf chemische Düngemittel und Pestizide, die Verarbeitungsmöglichkeiten
(Marmelade, Kompott, Schnaps, Likör, Trockenfrüchte) und nicht zuletzt der leckere Geschmack.
Neben Großhandelsketten zählen zu Schossers Kunden die besten Köche und Zuckerbäcker des Bundeslandes.
Die Vermarktung seines Produkts besorgt er selbst. Originelle Rezepthefte bringen immer mehr Konsumenten
auf den Geschmack. Einen Vorzug seines "Früchtchens" vergißt Maximilian Schosser nie zu erwähnen:
"Das Fruchtfleisch meiner Heidelbeere ist weiß. Das hat jenen Vorteil, daß die Zähne beim Naschen
sauber bleiben."
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