Bäuerliche Qualitätsschnapsproduzenten versprechen hochprozentigen Gaumenkitzel
"Gott weiß alles. Gott sieht alles. Gott hört alles. Gott riecht alles." Geht es nach den
Innschriften in den vier Plafond-Ecken der stattlichen Bauernstube, so hat der barmherzige Herr,
besonders was den letzten Spruch betrifft, einmal Grund zur Freude mit seinen Menschenkindern.
Denn was ihm hier wohlig und aromatisch in die Nase steigt, nämlich der liebliche Duft destilierter
Früchte, sucht wirklich seinesgleichen.
Dort, wo die feinen Stoffe gleichsam gen Himmel schweben, ist Ernst Mielacher Hausherr. An dem
wuchtigen Tisch in seinem Kabinett der edlen Brände sitzen außer ihm zwei seiner Spetzl'n, die
sich derselben Kunst verschrieben haben: Nämlich Qualitätsbauernschnaps zu kreieren.
Großer Erfolg bei Fachmesse
Daß sie dabei recht erfolgreich sind, bezeugt nicht nur der köstliche Geruch, der den Raum erfüllt.
Nein, schon ihr Abschneiden bei der Fachmesse Destillata, die kürzlich im kärntnerischen
Bad Kleinkirchheim stattfand, zeigt den Weg, dem sie folgen. Max Schosser vom Wöristergut in
Buchkirchen, Karl Langmayr, der Dieplingerwirt aus Eferding/Brandstatt und Ernst Mielacher vom
Gunskirchner Riethalerhof eroberten dort mit ihren Produkten insgesamt 17 Medaillen.
Marktnischen für Qualitätsprodukte
Unter Teilnehmern aus Deutschland, Italien, Schweiz und Österreich wurden auch ihre Edelbrände
auf Herz und Nieren geprüft. Einige ausschlaggebende Kriterien dabei: Geruch, Sauberkeit, Frucht,
Charakter, Geschmack und Harmonie.
Die drei landwirtschaftlichen Edelbrenner gehören der "Arbeitsgemeinschaft der bäuerlichen
Qualitätsschnapsproduzenten" an. 22 Mitglieder umfaßt diese oberösterreichische Gruppe derzeit.
Viel mehr sollen es auch nicht werden, die im Verbund dieser ARGE Marktnischen für geistige
Qualitätsprodukte besetzen wollen. Die Chancen für einen Erfolg stehen zur Zeit nicht schlecht.
Schosser, Langmayr und Mielacher haben's geschnuppert, daß der Trend beim Schnaps zu hochwertigen
österreichisch Produkten führt. Die Zeiten sind vorbei, wo sich die Mehrheit mit folgendem
Anforderungsprofil an ein geistiges Wasserl zufrieden gab: "Brenn obi, stink auffa!".
Heute will der verwöhnte Gaumen das volle Aroma der diversen Steinobst- aber auch Beerenobstbrände genießen.
So ein schwarzer Johannisbeer-, Preiselbeer- oder auch Schlehdornbrand, um nur einige Beispiele
zu nennen, hat natürlich seinen Preis. Der Grund liegt auf der Hand. Bei den Edelbrennern gibt's
nur 100prozentige Destillate. Grob über den Daumen gepeilt heißt das bei den Beerenbränden, daß
aus 100 Kilogramm des saftigen Rohstoffes nur etwa fünf Liter trinkfertiger Schnaps gewonnen werden
können.
Vermarktung durch Ab-Hof-Verkauf
Gebrannt wird selbstverständlich auf sorgfältigste Art. So wird der sogenannte Vor- und Nachlauf
fein säuberlich abgetrennt. "Herausgebrannt wird nur das Herzstück", verweisen Mielacher, Schosser
und Langmayr auf ihr Erfolgsrezept.
Dazu gehört aber auch eine entsprechende Präsentation. Die extravaganten Flaschen gehören da ebenso
dazu wie die umsichtige Kundenberatung. Verkauft wird übrigens ab Hof, dort kann der Genießer aus
speziellen dünnwandigen Gläsern verkosten. Bei richtigen Temperaturen übrigens. Die sollte etwas
über der Rotwein- Trinktemperatur liegen, erst dann entfalten die edlen Brände ihr volles Aroma.
Also Vorsicht bei kalt servierten Schnäpsen: Die könnten etwas zu verbergen haben.
Die Liebe zur Geschmackskultur der destillierten Früchte hat übrigens einen Nebeneffekt von besonderer
Bedeutung. Es ist noch gar nicht solange aus, da gab's von der Landwirtschaftskammer Beihilfen für
Motorsägen um lästige Obstgärten niederzumetzeln. Heute sind die Qualitätsbrenner natürlich darauf
aus, daß die Vielfalt der Bäume gefördert wird und daß wieder Obstbaumalleen das Landschaftsbild
verschönern. Das kommt auch jenen zugute, die sich sonst nicht an diesen Geistern gütlich tun.
Diese Skeptiker brauchen bei den "brennenden Bauern" aber nur einmal einzukehren. Wenn sie dort
riechen, was Gott riecht, gibt's kein Zurück mehr.
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